Dorfschreiber

Wochenmarkt und Sonnenschein

Guten Morgen, 

es ist Montag, mein Home-Office ist geöffnet. Ich habe die ersten Mails heruntergeladen und gelesen, was in Everswinkel alles passiert ist. Menno! Da kann ich nicht gegenhalten. Trompetensolos  von der Spitze einer Feuerleiter, Drive-In-Spargelhöfe, Malworkshops, Online-Lesungen... Ich bin einfach zu weit vom Schuss. Aber es gibt Hoffnung. Nächstes Jahr werde ich vor Ort sein und jeden Quadratmeter der Gemeinde auf Geschichten beackern.  

Freitag allerdings war ich vor Ort. Ich war auf dem Wochenmarkt. Ich war früh, ich hatte eine erste Runde gedreht und mich entschlossen, Kibbeling zu essen, einen Euro billiger als zuhause, da kann man mal sehen, wie schnell die Preise fallen. Der Fischverkäufer kommt aus Steinhagen. Au, sage ich, das ist ja ein Stückchen weg. Naja, sagt er, so weit nun auch wieder nicht, wenn er nach Everswinkel komme, mache er morgens Station in Herzebrock, dann rechne sich das. Hinter mir stehen eine kräftige Frau um die 60, die sich ein wenig aufstützen muss, und ein Paar um die Vierzig mit Tochter im Kinderwagen. Für einen Kinderwagen ist sie schon ein bisschen groß, finde ich, aber sie ist die Prinzessin, und sie möchte auch einen Backfisch. Das Paar und die Frau haben ein Thema. Dass es langsam nervt, sagen sie, dass es vorbei sein soll.

Ich nehme meine Portion Fisch, kreuze den Markt und setze mich auf eine Bank neben einem gesperrten Spielplatz. Mir gegenüber ein behauener Stein, mit dem ich nichts Rechtes anzufangen weiß. Auf jeden Fall ist es Sandstein. Und mittig ist ein Loch hineingetrieben, groß genug, um seinen Kopf hineinzustecken, aber das mache ich nicht. Eine Armlänge weiter unten rechts verschwindet eine Maus im Stein, nur ihr Hinterteil ist zu sehen. Kunst also? Ich frage Passanten, aber niemand weiß Genaueres.  Erst später klärt sich die Sache. Es ist eine Arbeit von Stefan Lutterbeck, Bildhauer aus Everswinkel. Eine Stele von ihm steht nicht weit vor St. Magnus und erinnert an die Webertradition des Ortes, eine andere auf dem Kreisverkehr in Alverskirchen.

St. Magnus schlägt drei. Eine Frau trägt einen 10-Kilo-Sack Kartoffeln nach Hause, eine Mutter steigt aus ihrem Kombi, ruft in ein Handy, dass sie nun gleich da sei, und versucht gleichzeitig, ihre beiden Kinder aus den Kindersitzen zu schälen. Multitasking, nennt man das, oder? Können Frauen besonders gut.

Drüben sind die Sparkasse, die Apotheke, auf einem Reklameschild von 'alltours' hockt eine gurrende Taube. Meine Nase juckt. Niemand ist in der Nähe, ich kann also niesen, ohne in Verdacht zu geraten. Dabei ist so ein herzhaftes Frühlingsniesen etwas Wundervolles. Außer singenden Vögeln höre ich von fern ein Motorrad, das durchs Dorf knattert. Wo könnte man alles hinreisen. Sommer in der weißen Welt. Hawai. Canada. Namibia. Island, die schönsten Plätze. Die ganze Welt steht zum Ausverkaufspreis bereit, aber wir bleiben hier. Hier ist es auch schön. 

Ich habe gleich eine Verabredung mit Frau Hoffmann vom Eine-Welt-Stand.  Davon erzähle ich aber erst morgen. Jetzt muss ich eine Tür abschleifen.

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