Dorfschreiber

Vorschlag für eine Rückkehr in die Normalität

So stelle ich mir das vor.

Vorschlag für eine Rückkehr in die Normalität

Das Paradies ist unbeschwert, aber wer ist das schon in diesen Tagen? Die Natur kontrastiert unsere Gegenwart ironisch. Mit mir, sagt sie, ist zwar auch nicht alles in Ordnung, aber der uralte Plan funktioniert noch, der Mond ist fast voll, tagsüber ist es sommerlich, die Vögel singen Hochzeitslieder, hinaus ruft alles, hinaus mit den Freunden, mit denen man zusammensitzen möchte, sich austauschen, sich vergewissern, dass sie noch da sind, dass sie den Mut nicht verloren haben, und Träume träumen für das Danach.

Wie aber kann dieses Danach aussehen? Wie schaffen wir es, die Welle des Virus mit aller gebotenen Vorsicht so zu reiten, wie es ein Surfer täte, der jede Bewegung der Welle beobachtet, jede Strömung kennt, der die Richtung wechselt, wenn es Not tut, und ständig auf der Hut ist, dass der Wellenkamm nicht über ihm zusammenbricht.

Wenn die Verdoppelungsrate der Infektionen bei 12 bis 14 Tagen liegt, sollte eine Revitalisierung des Lebens beginnen. Wie - das sollte von Virologen, Epidemiologen, Geisteswissenschaftlern, Psychologen, Soziologen, Ökonomen, Kulturschaffenden und dem Ethikrat entschieden werden. Dazu muss ein runder Tisch her, an dem Klartext geredet wird. Es dürfen nicht die geringsten Zweifel aufkommen.

Um den Menschen die Last der Isolation zu erleichtern, könnten Städte auf Basis der vorhandenen statistischen Daten in wechselndem Turnus Stadtteilen die Erlaubnis erteilen, ihre Geschäften wieder zu öffnen. Der Zugang könnte nach den Anfangsbuchstaben des Familiennamens geregelt werden. Danach hätten am Montag alle, deren Namen von A bis D beginnen, freien Ausgang. Sie dürften in den entsprechenden Stadtteilen in Cafés sitzen, einkaufen, soziales Leben pflegen. Das Alphabet wäre in gut einer Woche durch, und die Sache begänne von vorn.

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass sich die Bürger im Großen und Ganzen verantwortungsvoll verhalten. 93 Prozent aller stimmen den augenblicklich geltenden Regeln als unumgänglich und vernünftig zu, man könnte jemanden, der in ein Café will, fragen, wie er heißt, vielleicht müsste er seinen Ausweis zeigen, und Verstöße würde mit Verweisen, oder, wenn es nicht anders geht, mit Bußgeld geahndet.
Wäre das nichts?
Wäre das nicht eine vorsichtige Rückkehr zur Normalität?
So stelle ich mir das vor.
Und Sie?     

5 Kommentare

  • Carolin schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    Ich überlege gerade: Mein Nachname beginnt mit "W", der meines Mannes mit "B". Da hätten wir, nach der vielen Rückzugszeit zuhause, massig Gelegenheit, jeder für sich im Café zu sitzen (und würden uns dabei sogar nur an die Vorschriften halten). Er dürfte allerdings seine Tochter nicht mitnehmen zum Eis essen, denn die ist auch in der Gruppe "W". Immerhin könnte ich meine beste Freundin treffen, denn zufällig beginnt ihr Nachname auch mit "W". Außerdem würde man vermutlich meistens einen freien Tisch bekommen.
    Vielleicht könnte man auch, statt alphabetisch, numerisch vorgehen? Heute alle bis 20, morgen 20 bis 40 Jährige, 40 bis 60, Ü60 - da die Woche nur 7 Tage hat, müsste man schauen, welche Gruppe nur einmal Ausgang erhält?
  • dorfschreiber schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    möglich und denkbar ist vieles, wie immer es ausgeht, ich wünsche es mir von herzen.
  • Helga Lichtenthäler schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Herr Mensing,
    ich habe vor Jahren eine seltsame Begebenheit mit einem Medium in Ascona gehabt. Wenn Sie interessiert sind, schreibe ich Ihnen die "Story".
    Mit freundlichem Gruß
    Helga Lichtenthäler
  • Franz Maxwill schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Dorfschreiber, lieber Herr Mensing,

    erst durch WDR 5 bin ich heute auf Sie aufmerksam geworden. Schade! So spät! Schön, dass ich dennoch davon erfahre.
    Meine Erfahrungen mit der Covid-19-Pandemie sind ähnlich wohl der Ihrigen. Einerseits gibt es viel Veränderungen in der Grundhaltung der Menschen im Alltäglichen. Andererseits haben die meisten wohl nicht verstanden, dass diese Pandemie eine Chance sein könnte, nachdenklicher zu werden. Sie werden weiterhin mit ihren SUVs durch die Lande brausen, die Korosin-Schleuder wieder nutzen, um die letzten schönen Ecken der Welt weit entfernt von hier zu "erkunden" und ignorieren, dass z. B. gestern gemeldet wurde, dass das Eis am Nordpol sich allmählich auflöst.

    Die Pandemie ist einschneidend, ja, aber die Folgen der Klimakatastrophe werden zu Krieg und Millionenfluchten führen, also viel gravierender sein.
  • Susanne Müller für den Arbeitskreis Literatur schreibt:
    um 121. 2020-04-30 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Hermann, heute endet leider der - in dieser Form ungeplante - erste Teil des Projektes DORFSCHREIBER 2020, das dank Corona zum Projekt DORFSCHREIBER 2020/2021 mutierte. Sofern - was wir ja alle hoffen - uns das Virus bis dahin aus seinen Fängen entlässt, werden wir Dich vom 9. Mai bis zum 4. Juli nächsten Jahres in unserer Gemeinde (wieder)sehen - und zwar leibhaftig!

    Wir danken Dir für die vielen und sehr vielfältigen Beiträge für Deinen Blog und freuen uns schon heute auf den zweiten Teil mit zahlreichen Begegnungen und daraus resultierenden frischen Texten.

    JUNGE, KOMM BALD WIEDER!

Susanne Müller für den Arbeitskreis Literatur's Kommentar beantworten

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