Dorfschreiber

Über die Natur der Dinge

Lukrez

Titus Lucretius Carus

Römischer Philosoph und Dichter

geb. 55 v.Chr., gest. etwa 99 v. Chr.

Preis der Venus

Mutter der Äneaden, du Wonne der Menschen und Götter,

Lebensspendende Venus: du waltest im Sternengeflimmer

Über das fruchtbare Land und die schiffedurchwimmelte Meerflut,

Du befruchtest die Keime zu jedem beseelten Geschöpfe,

Daß es zum Lichte sich ringt und geboren der Sonne sich freuet.

Wenn du nahest, o Göttin, dann fliehen die Winde, vom Himmel

Flieht das Gewölk, dir breitet die liebliche Bildnerin Erde

Duftende Blumen zum Teppich, dir lächelt entgegen die Meerluft,

Und ein friedlicher Schimmer verbreitet sich über den Himmel.

Denn sobald sich erschlossen des Frühlings strahlende Pforte

Und aus dem Kerker befreit der fruchtbare West sich erhoben,

Künden zuerst, o Göttin, dich an die Bewohner der Lüfte,

Und dein Nahen entzündet ihr Herz mit Zaubergewalten.

Jetzt durchstürmet das Vieh wildrasend die sprossenden Wiesen

Und durchschwimmt den geschwollenen Strom. Ja, Jegliches folgt dir

Gierig, wohin du es lenkest; dein Liebreiz bändigt sie alle;

So erweckst du im Meer und Gebirg' und im reißenden Flusse

Wie in der Vögel belaubtem Revier und auf grünenden Feldern

Zärtlichen Liebestrieb in dem Herzblut aller Geschöpfe,

Daß sie begierig Geschlecht um Geschlecht sich mehren und mehren.

Also lenkst du, o Göttin, allein das Steuer des Weltalls.

Ohne dich dringt kein sterblich' Geschöpf zu des Lichtes Gefilden,

Ohne dich kann nichts Frohes der Welt, nichts Liebes entstehen:

Drum sollst du mir auch Helferin sein beim Dichten der Verse,

Die ich zum Preis der Natur mich erkühne zu schreiben.

Ich widme unserem Memmius sie, der dir es vor allem verdanket,

Allzeit allen voran sich in jeglichem Amt zu bewähren.

Drum so verleih', o Göttin, dem Lied unsterbliche Schönheit,

Heiß indessen das wilde Gebrüll laut tosenden Krieges

Aller Orten nun schweigen und ruh'n zu Land und zu Wasser,

Da nur du es verstehst, die Welt mit dem Segen des Friedens

Zu beglücken. Es lenkt ja des Kriegs wildtobendes Wüten

Waffengewaltig dein Gatte. Von ewiger Liebe bezwingen

Lehnt sich der Kriegsgott oft in den Schoß der Gemahlin zurücke;

Während sein rundlicher Nacken hier ruht, schaut gierig sein Auge,

Göttin, zu dir empor und weidet die trunkenen Blicke,

Während des Ruhenden Odem berührt dein göttliches Antlitz.

Wenn er so ruht, o Göttin, in deinem geheiligten Schoße,

Beuge dich liebend zu ihm und erbitte mit süßesten Worten,

Hochgebenedeite von ihm für die Römer den lieblichen Frieden.

Denn ich vermag mein Werk in den jetzigen Nöten des Staates

Sonst nicht mit Ruhe zu fördern, und du, des Memmierstammes

Rühmlicher Sproß, du könntest dich jetzt nicht entziehen dem Gemeinwohl.

5 Kommentare

  • Carolin schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    Ich überlege gerade: Mein Nachname beginnt mit "W", der meines Mannes mit "B". Da hätten wir, nach der vielen Rückzugszeit zuhause, massig Gelegenheit, jeder für sich im Café zu sitzen (und würden uns dabei sogar nur an die Vorschriften halten). Er dürfte allerdings seine Tochter nicht mitnehmen zum Eis essen, denn die ist auch in der Gruppe "W". Immerhin könnte ich meine beste Freundin treffen, denn zufällig beginnt ihr Nachname auch mit "W". Außerdem würde man vermutlich meistens einen freien Tisch bekommen.
    Vielleicht könnte man auch, statt alphabetisch, numerisch vorgehen? Heute alle bis 20, morgen 20 bis 40 Jährige, 40 bis 60, Ü60 - da die Woche nur 7 Tage hat, müsste man schauen, welche Gruppe nur einmal Ausgang erhält?
  • dorfschreiber schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    möglich und denkbar ist vieles, wie immer es ausgeht, ich wünsche es mir von herzen.
  • Helga Lichtenthäler schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Herr Mensing,
    ich habe vor Jahren eine seltsame Begebenheit mit einem Medium in Ascona gehabt. Wenn Sie interessiert sind, schreibe ich Ihnen die "Story".
    Mit freundlichem Gruß
    Helga Lichtenthäler
  • Franz Maxwill schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Dorfschreiber, lieber Herr Mensing,

    erst durch WDR 5 bin ich heute auf Sie aufmerksam geworden. Schade! So spät! Schön, dass ich dennoch davon erfahre.
    Meine Erfahrungen mit der Covid-19-Pandemie sind ähnlich wohl der Ihrigen. Einerseits gibt es viel Veränderungen in der Grundhaltung der Menschen im Alltäglichen. Andererseits haben die meisten wohl nicht verstanden, dass diese Pandemie eine Chance sein könnte, nachdenklicher zu werden. Sie werden weiterhin mit ihren SUVs durch die Lande brausen, die Korosin-Schleuder wieder nutzen, um die letzten schönen Ecken der Welt weit entfernt von hier zu "erkunden" und ignorieren, dass z. B. gestern gemeldet wurde, dass das Eis am Nordpol sich allmählich auflöst.

    Die Pandemie ist einschneidend, ja, aber die Folgen der Klimakatastrophe werden zu Krieg und Millionenfluchten führen, also viel gravierender sein.
  • Susanne Müller für den Arbeitskreis Literatur schreibt:
    um 121. 2020-04-30 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Hermann, heute endet leider der - in dieser Form ungeplante - erste Teil des Projektes DORFSCHREIBER 2020, das dank Corona zum Projekt DORFSCHREIBER 2020/2021 mutierte. Sofern - was wir ja alle hoffen - uns das Virus bis dahin aus seinen Fängen entlässt, werden wir Dich vom 9. Mai bis zum 4. Juli nächsten Jahres in unserer Gemeinde (wieder)sehen - und zwar leibhaftig!

    Wir danken Dir für die vielen und sehr vielfältigen Beiträge für Deinen Blog und freuen uns schon heute auf den zweiten Teil mit zahlreichen Begegnungen und daraus resultierenden frischen Texten.

    JUNGE, KOMM BALD WIEDER!

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