Dorfschreiber

Über das Wochenende von Dorfschreibern und die Ökumene

Liebe Everswinkler,
hat ein Dorfschreiber überhaupt am Wochenende frei? Ich glaube nicht. Dorfschreiber, Schriftsteller, Dichter - all' das bin ich in Personalunion - haben eigentlich nie frei und werden zudem noch unterirdisch schlecht bezahlt. Mindestlohn gilt für sie nicht, Selbstausbeutung ist Programm. Dennoch schreiben Sie - schreibe ich.
Gestern war ich in Everswinkel. Zwischen 14 und 17 Uhr bin ich herumgegangen, habe Frau Hoffmann vom Eine-Welt-Laden interviewt, mit einem Fischverkäufer, einer Apothekerin und Passanten gesprochen. Das ist natürlich eine ganz andere Sache, als vom Home-Office etwas über eine Gemeinde zu schreiben, die knapp 25 Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt und der Ausgangsbeschränkungen wegen nicht täglich zu bereisen ist. Eines aber kann ich schon jetzt sagen: wenn ich im nächsten Jahr in Everswinkel wohne, werde ich an jeder Tür, die mir interessant erscheint, klingeln und den Menschen Geschichten aus der Nase ziehen.
Und noch etwas: am 29. April 2020, einem Mittwoch, wird auf WDR 5 um 10:00 in der Sendung "Neugier genügt" ein Interview mit mir zu hören sein. Diesen Termin sollten Sie sich merken.
Jetzt aber zu einem Text, den mir Herr Wehmeyer, den ich gestern am Eine-Welt-Stand auf dem Markt in Everswinkel kennengelernt habe, gegeben hat. Es geht um die Ökumene. 

Günther Wehmeyer / WN
Über die Ökumene

Aus der griechischen Sprache wörtlich übersetzt heißt Ökumene „Der ganze bewohnte Erdball“. Im allgemeinen Sprachgebrauch versinnbildlicht dieser Begriff das Aufeinander-Zugehen der christlichen Weltregionen in unterschiedlichen Bereichen. Ziel dieses Prozesses ist nicht die Vereinheitlichung der Konfessionen, sondern die Suche nach Verbindungen und Gemeinsamkeiten, ohne die unterschiedlichen Auffassungen in Frage zu stellen. Ökumene vor Ort entwickelt sich im Bewusstsein des christlichen Glaubens. Sie findet auf vielen Ebenen des Miteinanders statt und sorgt so für eine Bereicherung des gesellschaftlichen und religiösen Lebens.
Die Westfälischen Nachrichten haben sich in Everswinkel und Alverskirchen einmal umgehört, um die zahlreichen ökumenischen Aktivitäten zwischen der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde und damit die „gelebte Ökumene“ aufzuspüren. Derzeit sind zwar alle kirchlichen Veranstaltungen wegen der Corona-Krise abgesagt worden. Dennoch sollen die nachfolgenden Informationen darüber berichten, wie die Ökumene im „Normalfall“ praktiziert wird.
Der ungezwungene Umgang der Konfessionen untereinander ist schon daran abzulesen, dass wegen der derzeitigen Renovierung der Pfarrkirche St. Magnus bis zur Absage der Gottesdienste wegen des Corona-Virus die Samstagabends- und Sonntagsvormittags-Messen der katholischen Kirchengemeinde in der evangelischen Johanneskirche stattgefunden haben. „Für unser Presbyterium war es eine Selbstverständlichkeit, dieser Bitte unserer Schwestergemeinde nachzukommen“, betont Pfarrer Stefan Döhner. „Für mögliche Terminkollisionen werden wir schon Lösungen finden.“ Auch Pfarrer Pawel Czarnecki fand Dankesworte für das Entgegenkommen der evangelischen Kirchengemeinde. „Wir freuen uns darüber, in der Johanneskirche eine vorübergehende Bleibe gefunden zu haben.“
Bei den Aktivitäten der einzelnen Gruppen beider Kirchengemeinden gibt es inzwischen zahlreiche gewachsene Verknüpfungspunkte. Schon seit vielen Jahren treffen sich die Mitglieder des evangelischen Seniorenkreises und der katholischen Seniorengemeinschaft einmal im Jahr zu einem ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem gemeinsamen Kaffeetrinken. „Es ist schön, wenn wir untereinander ins Gespräch kommen und die verschiedenen Konfessionen dabei überhaupt keine Rolle spielen“, ist aus den Reihen der Teilnehmer dieser ökumenischen Tradition zu hören.
Gleiches gilt auch für die gemeinsamen Aktivitäten und Aktionen der katholischen Frauengemeinschaft und der evangelischen Frauenhilfe. Für deren Sprecherinnen Margret Lamenta und Annemarie Korf ist es inzwischen selbstverständlich, beim Vitusfest und beim Weihnachtsmarkt zusammen aufzutreten. Gleiches gilt für die Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste zum Weltgebetstag, der wechselseitig in den katholischen Kirchen St. Magnus und St. Agatha sowie in der evangelischen Johanneskirche gefeiert wird.
Traditionell steht der Pfingstmontag im Zeichen der Ökumene. Wie in vielen anderen Städten und Gemeinden laden die beiden Konfessionen zu einem ökumenischen Gottesdienst ein. Schon seit einigen Jahren bereichern die Kirchenchöre diese Gottesdienste musikalisch. Geplant ist dies auch in diesem Jahr. Falls die Einschränkungen aufgrund des Corona-Virus bis dahin gelockert werden, findet dieser Gottesdienst am 01. Juni 2020 (Pfingstmontag) um 17.00 Uhr in der evangelischen Johanneskirche statt.
Zur guten Gewohnheit gehören auch die ökumenischen Gottesdienste zur Einschulung und Verabschiedung der Schulkinder. Seit dem vergangenen Jahr gibt es die ökumenischen Andachten zur Fasten- und Passionszeit, die von beiden Konfessionen angeboten werden. In diesem Jahr mussten leider zwei der geplanten drei Andachten abgesagt werden.   
Auch institutionell hat sich die die Ökumene in Everswinkel und Alverskirchen etabliert. Regelmäßig treffen sich Vertreter der beiden Kirchengemeinden im Ökumene-Ausschuss, um über gemeinsame Aktivitäten zu sprechen. So beteiligt sich auch die evangelische Kirchengemeinde am so genannten Bauwagen-Projekt, das vom Sachausschuss 'Menschen im Alltag' (MiA) der Kirchengemeinde St. Magnus/St. Agatha ins Leben gerufen wurde. Wegen der Corona-Krise wurde der Beginn des Projekts auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben.
Finanziert wird die Aktion vom Bistum Münster als „innovatives Projekt. Der Bauwagen wird bei diesem Projekt an verschiedenen Stellen in Everswinkel und Alverskirchen mit unterschiedlichen Angeboten der Gruppen und Kreise der beiden Kirchengemeinden stehen und soll so die Nähe der Menschen in Everswinkel und Alverskirchen suchen. Begegnungen, von denen man nur hoffen kann, dass sie nach einem überschaubaren Zeitraum dann auch stattfinden können.      

5 Kommentare

  • Carolin schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    Ich überlege gerade: Mein Nachname beginnt mit "W", der meines Mannes mit "B". Da hätten wir, nach der vielen Rückzugszeit zuhause, massig Gelegenheit, jeder für sich im Café zu sitzen (und würden uns dabei sogar nur an die Vorschriften halten). Er dürfte allerdings seine Tochter nicht mitnehmen zum Eis essen, denn die ist auch in der Gruppe "W". Immerhin könnte ich meine beste Freundin treffen, denn zufällig beginnt ihr Nachname auch mit "W". Außerdem würde man vermutlich meistens einen freien Tisch bekommen.
    Vielleicht könnte man auch, statt alphabetisch, numerisch vorgehen? Heute alle bis 20, morgen 20 bis 40 Jährige, 40 bis 60, Ü60 - da die Woche nur 7 Tage hat, müsste man schauen, welche Gruppe nur einmal Ausgang erhält?
  • dorfschreiber schreibt:
    um 096. 2020-04-05 2020 um HH:mm Uhr

    möglich und denkbar ist vieles, wie immer es ausgeht, ich wünsche es mir von herzen.
  • Helga Lichtenthäler schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Herr Mensing,
    ich habe vor Jahren eine seltsame Begebenheit mit einem Medium in Ascona gehabt. Wenn Sie interessiert sind, schreibe ich Ihnen die "Story".
    Mit freundlichem Gruß
    Helga Lichtenthäler
  • Franz Maxwill schreibt:
    um 120. 2020-04-29 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Dorfschreiber, lieber Herr Mensing,

    erst durch WDR 5 bin ich heute auf Sie aufmerksam geworden. Schade! So spät! Schön, dass ich dennoch davon erfahre.
    Meine Erfahrungen mit der Covid-19-Pandemie sind ähnlich wohl der Ihrigen. Einerseits gibt es viel Veränderungen in der Grundhaltung der Menschen im Alltäglichen. Andererseits haben die meisten wohl nicht verstanden, dass diese Pandemie eine Chance sein könnte, nachdenklicher zu werden. Sie werden weiterhin mit ihren SUVs durch die Lande brausen, die Korosin-Schleuder wieder nutzen, um die letzten schönen Ecken der Welt weit entfernt von hier zu "erkunden" und ignorieren, dass z. B. gestern gemeldet wurde, dass das Eis am Nordpol sich allmählich auflöst.

    Die Pandemie ist einschneidend, ja, aber die Folgen der Klimakatastrophe werden zu Krieg und Millionenfluchten führen, also viel gravierender sein.
  • Susanne Müller für den Arbeitskreis Literatur schreibt:
    um 121. 2020-04-30 2020 um HH:mm Uhr

    Lieber Hermann, heute endet leider der - in dieser Form ungeplante - erste Teil des Projektes DORFSCHREIBER 2020, das dank Corona zum Projekt DORFSCHREIBER 2020/2021 mutierte. Sofern - was wir ja alle hoffen - uns das Virus bis dahin aus seinen Fängen entlässt, werden wir Dich vom 9. Mai bis zum 4. Juli nächsten Jahres in unserer Gemeinde (wieder)sehen - und zwar leibhaftig!

    Wir danken Dir für die vielen und sehr vielfältigen Beiträge für Deinen Blog und freuen uns schon heute auf den zweiten Teil mit zahlreichen Begegnungen und daraus resultierenden frischen Texten.

    JUNGE, KOMM BALD WIEDER!

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