Dorfschreiber

Psalm 6

Ich brauche Zeit, eh' ich in den Schlaf finde. Oft treiben Gedanken quer, manchmal ist es aber auch Furcht. Wie soll das weitergehen, sagt dann die Stimme, und hindert mich, loszulassen und durch die Pforten des kleinen Todes zu gehen. Dann liege ich da und überlege, wie ich ihm ein Schnippchen schlage könnte. Alles ist gut, sage ich mir, aber die anderen Stimmen sind lauter.  .

Meine Eltern haben den Krieg erlebt, ich habe immer nur von Kriegen gelesen. Von Hunger, Elend und Ungerechtigkeit. Ich gehöre zur "Goldenen Generation". Jetzt aber, vier Wochen nach dem 13. März, der für mich die Zäsur in eine nie gedachte, nicht einmal vorstellbare Welt bedeutet, liege ich wach und habe keine Antwort. Ich meide Tagesschau und Talkshows, es beunruhigt mich, streitenden Menschen zuzusehen, die auch nicht wissen, wie es geht. Man muss nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Immerhin, unser Bundespräsident spricht davon, dass das "Höher, Schneller, Weiter" vorbei sein muss. Alles ist gut, flüstere ich, alles ist gut, rufe ich dem Mond zu, als wäre es ein Gebet, aber es funktioniert nicht.

Dann fällt mir der Psalm 6 ein. 

Ach, Herr,
strafe mich nicht mit deinem Zorn
und züchtige mich nicht in deinem Grimm.
Sei mir gnädig, denn ich bin schwach.


Heile mich, Herr,
denn meine Gebeine sind erschrocken,
und meine Seele ist sehr erschrocken.

Ach, du, Herr, wie lange!

Wende dich, Herr, und errette mich.
Hilf mir um deiner Güte willen.

Ich bin so müde vom Seufzen,
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht
und netze mit meinen Tränen mein Lager.

Mein Auge ist trübe geworden von Gram und matt,
weil meiner Bedränger so viele sind.

Weichet von mir, alle Übeltäter,
denn der Herr hört mein Weinen.

Der Herr hört mein Flehen,
mein Gebet nimmt der Herr an.


Mit diesem wundervollen Text möchte ich Sie in die neue Woche bringen.
Mir hat er oft geholfen.
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