Dorfschreiber

Nachschlag

Nachschlag

9.07.21

Sie hatten es endlich kapiert. Sie hatten begriffen, dass man einem Dorfschreiber zum Abschied etwas bieten muss, das ihn in seiner Eitelkeit stärkt und ihm suggeriert, dass sein Aufenthalt Eindruck hinterlassen hat. Ich hatte es geahnt. Man hatte mir angekündigt, am Sonntag den 9.07. würde man mich gegen 12:00 abholen, man wolle mich überraschen. Ich hatte die Wohnung geputzt, meine Siebensachen standen im Flur, um 14:00 käme ein Freund, um sie nach Hause zu transportieren. Ich war ein wenig ungeduldig. Um kurz nach zwölf fuhr eine schwarze Limousine vor. Sie brachte mich zum Hof des Landschaftsbauers Schulze Tertilt. Das Blasorchester Everswinkel war vor Ort und spielte den Westfalenmarsch. Ich stieg aus und schritt über einen roten Teppich. Man applaudierte. Die Vorsitzende des Kulturvereins Susanne Müller hielt eine kleine Rede, dann erfüllte man mir einen Wunsch. Ich sollte mit dem Blasorchester Schlagzeug spielen. Wunderbar. Nichts leichter als das. Ich baute das Schlagzeug um, denn ich bin Linkshänder und fragte, was man spielen wolle. AC/DC, Highway to Hell, sagte Thomas Beumers, der Dirigent, zählte ein und dann ging es los. Als zweites spielte die Band Movie Star von Harpo. Und als das vorbei war, durfte ich die Band dirigieren. Feine Sache das. Ein schöner Schlusspunkt. Als ich gegen vierzehn Uhr das Vitusdorf verließ, zog eine Gewitterfront heran. Zwischen Wolbeck und Angelmodde begann es zu gießen. Ich wurde klitschnass. Und war glücklich.

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