Dorfschreiber

Merry Pranksters

Merry Pranksters

Dohlen umkreisen
kreischend den Kirchturm,
als vor Haus Mittrup
ein VW Bulli hält,  
die Schiebetür rollt zu Seite
springt aus der Schiene
und kippt auf die Straße.
KRAWUMM. 
Gelächter. Jau.

Menschen steigen aus.  
Ob Mann oder Frau
ist schwer auszumachen,
langhaarig sind alle,
tragen Jeans, weite,
um den Körper fließende  
bunte Stoffe und Selbstgestricktes.

Sie haben Schlafsäcke,
Gitarren,ein geprügeltes Schlagzeug,
scheppernde Becken  
Kartons, Kisten  und Illusionen,
verdächtig das alles.  

TRARAAAA
das sind sie, die - die neuen Mieter?.

Die Nachricht
alarmiert die Vitusstraße,
bald weiß man es  in
Müssingen, Mehringen,
im Schuter, in Gronhorst,
in Bonn, London, Paris,
die Polizei weiß es
und das BKA
eigentlich weiß man es sofort und überall,
selbst in Alverskirchen, Warendorf und in Rom.

Gammler haben Haus Mittrup gemietet.
Sie stammen aus gutbürgerlichen Familien,
sie studieren, haben Ginsberg und Kesey gelesen,
sie lesen Castaneda und Hesse,
diesen esoterisch,
calvinistisch schwäbischen Schwurbler,
und sind angetreten, ihre Eltern zu erschrecken.

Sie wollen die neue Gesellschaft,
das Ende der bürgerlicher Herrschaftsverhältnisse
dafür haben sie sich Haus Mittrup ausgesucht.

Keine Atempause,
Geschichte wird gemacht,
es geht voran.  


Man hämmert, malt,
bessert aus, man hat Pläne.

Keine Macht für niemand.

Haus Mittrup eröffnet als Ort,
an dem jeder willkommen sein soll.
 
Hinter vorgehaltener Hand.
raunt es: Kommune!
Man weiß, was das heißt.
Man hat es gehört.
Sex, Drogen und Rock n' Roll.

Dat moet we nich hebben.
Kiekes, dat sust doch nich glaiwen.

Die Mieter sind Wirte,
sie denken wirtschaftlich.
Ihre Frikadellen sind gut.
 
Die Everswinkler Männer,
die abends um die Häuser ziehen,
sechs Kneipen im Quadrat,
eh sie heimkehren,
tauchen bald auf ein Bier und einen Schnaps
im Haus Mittrup auf.
Alles gar nicht so schlimm.

Oder?

Hübsche Frauen hinter der Theke.
Verheiratet sind sie nicht. Keine BHs.
Wahrscheinlich nicht einmal katholisch.

Es werden Feste gefeiert.
Bands spielen. BKA
Man spielt Theater.
Die Wohngemeinschaft
vom Raestruper Bahnhof ist solidarisch.

Aber die reine Lehre,
der Hedonismus und das wirkliche Leben kollidieren.

Wie wirtschaftet man?
Wie werden die Einnahmen aufgeteil?.
Gibt es einen Chef oder sind alle gleich?
Eifersucht (bürgerlich) blüht,
Neid (bürgerlich) kommt auf,
und schon bröckelt das Glück. 

Die einen mieten einen Kotten im Schuter,
die anderen in Mehringen,
um Weihnachtsbäume anzubauen.
Aber so einfach ist auch das nicht.
So ein Weihnachtsbaum braucht Zeit,
und wenn man nicht bald wieder studiert,
wird man exmatrikuliert.
Man muss zwischen neuem Lebensentwurf
und Studienabschluss entscheiden.

Das Kollektiv teilt sich.
Das Kollektiv zerfällt.

Bis auf einen,
der ist immer noch hier, ,
er heiratet, kriegt ein Kind,
kennt seit Karl dem Großen.
alle Geschichten
kennt jeden Baum, jeden Hintergrund
und redet und redet.
ja, sagt er,
das war eine gute und wichtige Zeit.
 

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