Dorfschreiber

Klarsicht

Klarsicht

Ionenaustauscher! stand auf einem Bulli in einer Hofeinfahrt der Overbergstraße. Ich habe mein erstes Staatsexamen über Fahrenheit 451 geschrieben, ein Roman von Ray Bradbury, ein amerikanischer SF Autor. Angelsächsische SF Literatur war mein Spezialgebiet, deshalb hatte der Ionenaustauscher mich sofort am Schlafittchen. Mitten in Everswinkel steht ein Ionenaustauscher. Wow!

Jemand verlädt blaue Plastikfässer in den Bulli des Ionenaustauschers. Jemand steht dabei. Ich kreuze die Straße. Guten Tag, ich bin der Dorfschreiber, sage ich, in der Hoffnung, das mir das die Tür öffnet. Der Dorfschreiber ist meine Larve, hinter der ich agiere. Ach ja, davon habe ich gehört, sagt der Mann, der jetzt einen Namen braucht. Stefan Batkowski. Er leitet die Firma Klarsicht.

Eine Firma, die von innen nach außen und von oben nach unten alles mit umweltschonenden, modernsten Verfahren reinigt. Und um das tun zu können, Ionen austauscht? Habe ich das richtig verstanden, Herr Batkowski? Ich glaube ja. In den blauen Fässern befindet sich Mischbrutharz, ein Kunstharz. Dieses Harz befördert einen chemischen Prozess. In Filtern, die mit diesem Harz befüllt werden, findet eine Osmose statt.  Als Osmose wird in den Naturwissenschaften der gerichtete Fluss von Teilchen durch eine selektiv- oder semipermeable Trennschicht bezeichnet. Dieses Harz macht aus Wasser reines Wasser. Mit reinem Wasser lassen sich etwa Solaranlagen viel besser reinigen. Klingt logisch.

Klarsicht also. Service mit Sorgfalt seit 1995.
Stefan Batkowski hat Kommunikationswissenschaften und Soziologie studiert, nicht unbedingt Voraussetzung für die Gründung eines solchen Unternehmens. Um sein Studium zu finanzieren, hat er geputzt. Ich nehme an, damals noch old-school, also mit Eimer, Wischmopp und Schrubber. Was nicht nur Geld brachte, sondern auch Spaß machte. Irgendwann kam er an einen Punkt, an dem er entscheiden musste, ob er weiter studiert, oder Profi wird.

Stefan Batkowski hatte die Antwort, und offenbar war es die richtige. Heute, 26 Jahren später, ist Klarsicht ein modernes, ausbildendes Dienstleistungsunternehmen mit 18 Mitarbeitern, das, unter anderem, und da bin ich wieder bei der Science Fiction, Ionen austauscht, um mit destilliertem Wasser arbeiten zu können.  Sicher hat Klarsicht nocüh eine Menge anderer Tricks auf Lager, um Schmutz zu entfernen. Überhaupt, Klarsicht, ein guter Name für ein Reinigungsunternehmen. Bei Anblick der Wetterlage wäre mir ein Trick aus der Klarsicht-Kiste angenehm, der den Regen wegionisiert, falls das irgendwie möglich wäre. Das käme dem Dorfschreiber entgegen, der, wie es aussieht, heute wohl kaum vor die Tür kommt.

Gereinigt und geputzt wird immer, die Auftragslage ist gut, und die Profis der Firma Klarsicht finden Lösungen für die Probleme ihrer Kunden. Der Dorfschreiber putzt selbst. Er hat einen blauen Wischmopp, er hat die entsprechende Lauge, es regnet, er macht sich ans Werk, und als schon fast fertig ist, rutscht er auf den Kacheln in der Küche seiner Dorfschreiberwohnung aus und knallt mit Karacho auf seinen Steiß. Da liegt er, aber zum Glück hat er sich nur ein wenig geprellt. Putzen ist gefährlich, denkt er, Haushaltsunfälle liegen in der Statistik weit vorn, er hat also Glück gehabt, sein Steiß ist nicht gebrochen, sein Rücken schmerzt ein wenig, aber das wird sich legen. Vielleicht sollte er Klarsicht anrufen.

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