Dorfschreiber

Dorfschreiber Tag 2

Dorfschreiber Tag 2  10.05.2020

Als ich jung war, hieß es, langsam an mit den jungen Pferden. Heute würde man mir wahrscheinlich eher vorschlagen, die "base zu chillen".  Eines nach dem anderen also. Gott hatte sich für die Welt 7 Tage reserviert, obwohl er Besseres zu tun gehabt  hätte, die schwarzen Löcher machten Probleme, aber man hatte ihn gefragt und er hatte zugestimmt. Die Welt sollte Form annehmen, er wusste, wie es ging,  also machte er sich ans Werk.

Mein Werk ist bescheidener. Er heißt Everswinkel, und ich habe zwei Monate Zeit, um es zu vollenden. Heute ist mein zweiter Tag, und ich habe schon alle Hände voll zu tun. Eine Lehrerin der Waldorf Schule fragte mich, was das denn sei, ein Dorfschreiber. Sowas hätte sie noch nie gehört. Ich erklärte es ihr, ich dachte, man, das wird viel Arbeit, und fuhr weiter  Richtung Alverskirchen.  

Man hatte mir geflüstert, es käme zwischen Alverskirchen und Everswinkel immer wieder zu Reibereien. Ich hatte es nur gehört, aber da, wo ich herkomme, gibt es auch eine scheinbar natürliche Feindschaft zwischen den Orten Gronau und Epe, die sich auf Schützenfesten  hin und wieder per Faustkampf entlud. Da Alverskirchen der kleinere der beiden Orte ist, und ich per Definition auf der Seite der Unterlegenen bin,  fahre ich zunächst dorthin, schreibe mir unterwegs alles auf, was ich sehe, und schmiede zu Ehren der Alverswinkler daraus eine Ballade. Und erst, wenn die fertig ist, habe ich Feierabend für heute. Wie sie heißt, weiß ich schon.Oder besser, ich weiß, wie sie hießen könnte. Ballade für den Detektiv etwa, denn an der Neustraße gibt es eine Detektei. Ballade für die Dampfmühle auch, Ballade für den Stufengiebel, Ballade für die Patenschaftsbäume,  Ballade für den alten Küchenbullen, oder besser einfach: Ballade, Wir werden sehen, was daraus wird.   

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