Dorfschreiber

Der Telgter Töter

Er ist Tag und Nacht unterwegs. Er scheut kein Wetter. Manchmal hört man seinen das Mark durchdringenden Ruf. Die Bahn nennt ihn den "Warendorfer", aber die Einheimischen wissen es besser. Bei ihnen heißt er "der Telgter Töter". Er steht auf keinem Fahndungsplakat, ist aber gefährlich. Vielleicht wäre er nur halb so gefährlich, wenn die Bauern auf ihre privaten Zufahrten von der B64 zu ihren Höfen verzichten würden, aber das tun sie nicht, denn dann müssten sie Umwege fahren, un da hebt se kien tied vöör.

So gibt es also auf der Strecke  Münster - Bielefeld  unzählige kleine, nur mit dem Andreaskreuz gesicherte Bahnübergänge, die, hat man den Zug, der ein Bummelzug ist und ununterbrochen Signale gibt, überhört, kaum Platz lassen für ein Auto und seinen unachtsamen Fahrer.  Er hat keine Alternative. Er hat den Zug überhört, vielleicht hat er geträumt, jetzt hat er den Salat und wird entweder am vom Telgter Töter gerammt, oder vom fließenden Verkehr der B64 .

Das passiert immer wieder, und hat oft schrecklich Folgen. Hätte ich nicht heute Abend kurz vor Toresschluss beim Abendessen bei meiner Vermieterin mit Käse, Brot, Oliven, Wurst, Wein, Williamsbirne, Caipirinha, Aquavit mit Pflaume vom Telgter Töter erfahren, wäre der Zug mir nur mit seinem bei entsprechendem Wind als fernes akustisches hörbares Signal  in Erinnerung geblieben. So reise ich ab, und weiß, dass es ihn gibt, und dass man ihn den Telgter Töter nennt. Da kann auch die schwarze Mardonna nicht helfen.  .

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