Dorfschreiber

Alles andere ist Information

Einstein wusste, dass man nur durch Erfahrung lernt.

Alles andere ist Information

Alles Unglück der Menschen komme daher, „dass sie nicht ruhig in ihrem Zimmer bleiben können“, sagt der französische Philosoph Blaise Pascal. Ich fürchte, dass Bewegung zu oft als Übersprunghandlung herhalten muss, statt nichts zu tun. Still in einem Zimmer zu sein, scheint eine Herausforderung. Faulsein gilt nur im Urlaub. Aber ist es nicht so, dass der, der sich Herausforderungen stellt, wächst? Dass ihm ein Gewinn zufliegt? Den Tag verstreichen zu lassen ist eine Kunst. Daheimbleiben und nichts tun ist Arbeit.

Wenn nun aber „das im Zimmer bleiben“ verfügt wird und diese Verfügung sowohl vernünftig als auch ein staatlicher Eingriff in die bürgerlichen Rechte ist, wie steht es dann mit dem zu verhindernden Virus, das doch längst da ist, unter anderem deshalb, weil wir ständig von A nach B unterwegs waren? Wird es mehr, wird es weniger, verschwindet es irgendwann oder ist es gekommen, zu bleiben? Ich weiß es nicht. Ich weiß, jetzt herrscht Zwangsruhe. Sie ist beunruhigend, fühlt sich aber trotz der weltweiten Kämpfe um Klopapier entspannt an. Nur die Abende sind geisterhaft und bedrücken mich. Der Tag schreckt mich nicht. Seit Tagen ist der Himmel frei von Kondensstreifen. Vielen wird das gefallen. In den Städten ist es ruhig. Alte Gewohnheiten kommen zum Erliegen, weil alle im „Zimmer bleiben“. Ich vermisse das Leben, aber nicht die Unrast der Welt. Ich weiß, dass die wirtschaftlichen Schäden immens sind, aber wer sagt denn, dass alles immer mehr werden muss? Der Gedanke vom Ende des Wachstums stammt aus den Sechzigern. Jetzt wird er zur Erfahrung von vielen. Einstein wusste, dass man nur durch Erfahrung lernt. Alles andere ist Information.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.


 

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