Dorfschreiber

66

Einiges ist schief gegangen. Die Uhren weigern sich, die korrekte Zeit anzuzeigen, die weltweiten Spekulanten treiben Ölpreise in die Höhe, um sich mit den Profiten zu salben, das vom Zeitchaos gebeutelte Volk rettet sich in hirnlose Unterhaltung, es ist Juni, mein Konto weist Guthaben auf, es ist Juni, mein Kopf schweigt angesichts der globalen Verdummung, es ist Juni, jetzt geben sogar Wüsten ihren Geist auf, es ist Juni, ich will's nicht mehr hören, ich wollte's schon lang nicht mehr hören, ich höre es nicht mehr und nehme es mit in unruhigen Schlaf, es ist Juni, wo es weiter rumort, wo es fragt und stichelt und sagt, Feigling, Feigling, Feigling, aber wie denn, frage ich am Morgen, es ist 66:66 Uhr und alle 66 Großmuftis dieser Welt, alle 66 Päpste, alle 66 Präsidenten, Könige und sonstiges Leitvolk steht vor der Wand und ich trau mich nicht, weil ich weiß, dass mit 66 Schüssen nichts zu retten ist, nicht von mir, nicht von dir, nicht von 66 Gerechten, es ist Juni, die einzige Chance, die mir bleibt, ist der Wahn, an die Liebe zu glauben, an dich und an mich, an meine Söhne und Enkel und daran, dass es 66 Mal gut geht, eh es schief geht, dass ich 66 Mal sterbe, 66 Mal verbrannt werde, an 66 Stränden verstreut 66 Stunden überm Strand schwebe und dann 66 Mal und auf immer dahin bin. Mehr hoffe ich nicht, und das ist schon viel.

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