Projekt Dorfschreiber 2020

 Für das Jahr 2020 wird die Everswinkeler Dorfschreiberstelle zum ersten Mal ausgeschrieben.

Bewerben können sich bis zum 15. April 2019 deutschsprachige Journalisten und Autoren aus ganz NRW sowie den benachbarten Regionen der Niederlande und Belgiens. Vom 15. April bis zum 15. Juli 2020 wird der Dorfschreiber in der Gemeinde zwischen Münster und Warendorf leben und arbeiten. 

Wie alles begann...

Historisch Interessierte finden im Folgenden einen kurzen Abriss der Geschichte von Alverskirchen und Everswinkel.


Everswinkel im Mittelalter: Die Kirchenburg

Alles begann mit der Gründung der St.-Magnus-Pfarrei im 10. Jahrhundert. Rund um die mit Schutzanlagen versehene Wehrkirche wurden sogenannte “Spieker” errichtet. In Friedenszeiten dienten sie als Getreidespeicher, in Kriegszeiten jedoch suchten die Bauern aus der Umgebung hier Schutz für sich und ihr Vieh. Die ursprüngliche Anlage wurde also zu Recht als Kirchhofsburg bezeichnet. Im Laufe der Zeit wurden die Spieker zu Wohnstätten umgewandelt, und die Siedlung an der Kirche wurde langsam ein richtiges Dorf, in dem sich Tagelöhner, Händler und die ersten Handwerker niederließen.

Alverskirchen entstand ebenfalls durch die Gründung einer Kirche, geweiht der heiligen Agatha, Beschützerin vor Feuersnot. Nach den geschichtlichen Quellen wurde um 1200 unter Bischof Hermann II die Alverskirchener Pfarrkirche errichtet. Ein Mann namens Albin, Alvin, Albrie oder Alvrie hat entweder den Boden für den Kirchbau zur Verfügung gestellt oder die Kirche selbst erbauen lassen – daher der Name Alvinskerken, der später zu Alverskirchen wurde. Um diese Kirche herum siedelten sich Familien an, für eine Dorfgründung war damit der Grundstein gelegt.
Das Leben der Landbevölkerung war hart, die Zeiten unbeständig. Jahrzehnte des Friedens und des Wohlstandes wechselten sich ab mit Missernten, Hungersnöten und Pestepidemien. Aber auch das Feuer war eine ständige Gefahr. Immer wieder gingen Alverskirchen und Everswinkel in Flammen auf, sei es aus Unachtsamkeit oder Funkenflug – oder auch durch brandschatzende feindliche Soldaten. Besonders im 16. Und 17. Jahrhundert litt die Region fast ununterbrochen unter Kriegswirren. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs waren viele Höfe verlassen. Das Land brauchte viele Jahre, um sich davon zu erholen.

Im 18. Jahrhundert arbeiteten die Dorfbewohner von Everswinkel und Alverskirchen als Händler, Kaufleute, Tagelöhner und Handwerker. Nebenbei betrieben sie alle Landwirtschaft, denn nur vom Gewerbe konnten sie sich und ihre Familien nicht ernähren.
 

Die Geschichte von Everswinkel und Alverskirchen


Den Webern zu Ehren: Weberdenkmal am Prinzipalmarkt in Everswinkel

Für die Bewohner von Everswinkel wurde das Weberhandwerk zur wichtigsten Erwerbsquelle. So gab es 1825 unter 149 Handwerkern im Dorf allein 89 Weber. Auch in den Bauerschaften wurde gewebt, denn viele konnten von der Landwirtschaft allein nicht leben. Aber das Glück der Leineweber währte nicht lang. Mit dem Aufkommen der maschinellen Textilfertigung ab 1830 war ihr Schicksal besiegelt, und 1882 gab es in Everswinkel keinen einzigen Weber mehr. Zur Ansiedlung von Textilfabriken wie anderenorts kam es nicht, da die neue Eisenbahn in der Ferne vorbeifuhr. Und so blieb auch andere Industrie zunächst fern. Mancher Weber versuchte, auf ein anderes Handwerk auszuweichen. Da war es keine Seltenheit, dass ein Gastwirt gleichzeitig auch Landwirt, Bäcker und Kolonialwarenhändler war.


Kaffeepause während der harten Erntearbeit

Für die Mehrzahl der Bauern wandte sich zur gleichen Zeit das Blatt zum Besseren. Bauernbefreiung und “Ablösung” hatten den Weg frei gemacht für eine rentable Landwirtschaft auf großen, zusammenhängenden Flächen. Zunehmend setzten sich auch moderne Anbaumethoden wie die Fruchtwechselwirtschaft durch. Die Industrialisierung, die die Weber ruinierte, wurde für die Bauern zum Segen. Denn das nahe gelegene Ruhrgebiet wuchs und wurde zum Hauptabsatzmarkt für Everswinkeler und Alverskirchener Fleisch und Getreide.

Anders als in Everswinkel hatte sich in Alverskirchen keine so starke Konzentration auf einen Erwerbszweig herausgebildet. Als es mit der Hausweberei zu Ende ging, war Alverskirchen davon bei weitem nicht so stark betroffen wie Everswinkel. Zwar konnten die Bauern in beiden Orten den größeren politischen Einfluss geltend machen, die Verarmung der Dorfbevölkerung war jedoch in Everswinkel ungleich größer. Von sozialen Spannungen zwischen Innen- und Außengemeinde, wie sie deshalb in Everswinkel auftraten, ist in Alverskirchen kaum etwas bekannt.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Reichtum ausschließlich bei den Bauern. Die gewerbetreibenden Dorfbewohner und auch die wenigen mittleren Betriebe waren ganz auf den Bedarf der Landwirtschaft ausgerichtet. Eine Veränderung trat erst nach dem 2. Weltkrieg ein, als viele Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurückkehrten konnten und sich in Alverskirchen und Everswinkel ansiedelten. Der allgemeine Wirtschaftsaufschwung, die zunehmende Motorisierung und der wachsende Wohlstand taten ihr Übriges, um die beiden kleinen Orte zu aufstrebenden ländlichen Wohngemeinden zu machen.

Und nach über 150 Jahre währender Trennung wurden Everswinkel und Alverskirchen im Rahmen der kommunalen Neuordnung 1975 zur neuen Gemeinde Everswinkel zusammengeschlossen.

Zahlen / Daten / Fakten

Bevölkerung 9.774  (31.12.2017)
Gesamtfläche 69,12 qkm
Höhenlage 53,7-68,5 m ü. NN
Landwirtschaftliche Nutzfläche 48,59 qkm
Wald und forstwirtschaftliche Fläche 10,98 qkm
Wohnbauflächen 1,61 qkm
Gewerbeflächen 0,58 qkm

Wir haben:

2 Beachvolleyballfelder
5 Bolzplätze
3 Büchereien
1 Festhalle
1 Freizeitbad "Vitus-Bad"
1 Freie Waldorfschule

2 Grundschulen
1 Verbundschule (Hauptschule und Realschule)
1 Jugendzentrum
6 Kindergärten
3 Kinderspielgruppen
18 Kinderspielplätze
1 evangelische Kirche
2 katholische Kirchen
1 Mitmach-Museum
2 Reithallen
1 Seniorenzentrum
2 Seniorensportanlagen
1 Skatergelände mit BMX-Anlage
6 Sporthallen
5 Sportplätze

1 Niedrigseilgarten

1 Golfplatz
8 Tennisplätze
1 Vitus-Saunadorf
1 Wohnheim für Behinderte "Haus St. Vitus"

Alverskirchen ist Golddorf 2008

Der Ortsteil Alverskirchen überzeugt im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf der ganzen Linie und erringt vor allen anderen Mitbewerbern im Kreis Warendorf die Goldmedaille.

Bereits 2002 hatte sich im Ortsteil Alverskirchen das „BürgerTeam Alverskirchen“ gegründet, um sich mit der Teilnahme am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und der Kreisverkehrsgestaltung zu befassen. Von dieser Initiative ausgehend fanden sich viele bereit, an der Zukunft des eigenen Dorfes tatkräftig mitzuwirken. Mit Unterstützung der Gemeinde Everswinkel und dank der großen Initiative vieler konnten zahlreiche Projekte verwirklicht werden, die das leidenschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Alverskirchen dokumentieren.

Bei der ersten Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahr 2005 gewann Alverskirchen auf Anhieb die Silbermedaille. Drei Jahre später dann der Lohn für das andauernde Engagement: Alverskirchen überzeugt in allen sechs Kategorien des Wettbewerbs und kann sich mit dem Sieg auf Kreisebene die begehrte Goldmedaille sichern.

Die sechs Kategorien waren:

1. Konzeption und deren Umsetzung
2. Wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen
3. Soziales und kulturelles Leben
4. Baugestaltung und -entwicklung
5. Grüngestaltung und -entwicklung
6. Dorf in der Landschaft

Unabhängig von der Beurteilung der einzelnen Bereiche wird das Dorf einer ganzheitlichen Bewertung unterzogen. Eine wichtige Rolle nehmen hierbei gemeinschaftliche Aktivitäten im Dorf ein. Gemeinsame Maßnahmen und bürgerschaftliche Aktivitäten tragen wesentlich dazu bei, das Zusammenleben im Dorf zu fördern.

Ausführliche Informationen über alle in Alverskirchen verwirklichten Projekten finden Sie auf der Homepage des „BürgerTeamAlverskirchen“.

Markantes

Das Wappen von Everswinkel zeigt oben die charakteristische Turmfront der St.-Magnus-Pfarrkirche. Der schwarze Winkel knüpft an das Wappen der Herren von dem Berge an, der ersten nachweisbaren Bewohner des Hauses Borg. Zugleich wird damit die Namensgebung dargestellt: Das Dorf wurde in einem winkelförmig vorspringenden Flurteil der alten Bauernschaft Ever gegründet, auf deren Namen auch der abgebildete Eber anspielt.

Auch im Ort ist das Everswinkeler Wappentier ständig präsent. Ein über 500 Jahre alter Eber ist am Südostpfeiler des Kirchenchores der St.-Magnus-Kirche zu sehen. Am Haupteingang des Rathauses erinnert ein bronzener Eber an den Namensgeber der Gemeinde.

Eine ganze Schwarzwildfamilie hat sich am Brunnen des Magnusplatzes versammelt, und der fröhliche „Eberhard” ist die Symbolfigur des Vitus-Bades.

Namensgeber für das Freizeitbad der Gemeinde Everswinkel ist St. Vitus – der Schutzpatron von Everswinkel. Viel ist über sein Leben nicht bekannt. Er stammte aus Sizilien und muss sehr jung, fast noch ein Kind gewesen sein, als er ca. im Jahre 304 für seinen christlichen Glauben den Märtyrertod starb. Später wurde er als Schutzpatron und einer der "14 Nothelfer" in weiten Teilen Europas verehrt - so auch in Everswinkel. Eine Kirche oder Kapelle ist ihm nicht gewidmet, dennoch wird sein Andenken in vielen Zusammenhängen lebendig gehalten. So spricht man auch heute noch oft vom Vitus-Dorf oder der Vitus-Gemeinde. Traditionell am jeweiligen Wochenende nach dem Namenstag des Heiligen am 15. Juni feiert die Feuerwehr ihr Stiftungsfest - und zeitgleich findet auch das Vitus-Fest statt.

Direkt an der Vitusstraße im 1993 neugestalteten „Historischen Viereck” steht die 1,80 m hohe dreieckige Sandsteinskulptur des Everswinkeler Bildhauers Stefan Lutterbeck. Drei typische Szenen aus der Hausweberei erinnern an die Blütezeit dieses Handwerks, das im 18. und 19. Jahrhundert die Haupterwerbsquelle der Everswinkeler Dorfbevölkerung war. Ab 1830 begann der Stern der Everswinkeler Weberzunft, die es immerhin beinahe zu einem eigenen Tuchmachersiegel gebracht hatte, zu verblassen. Durch die zunehmende Industrialisierung wurde die Handweberei unwirtschaftlich, die Weber wurden arbeitslos.

Sandstein auch im Ortsteil Alverskirchen: Fünf Sandsteinstelen schmücken das Innere des Kreisverkehrs, der 2003 die ungeliebte und nicht ungefährliche „große“ Kreuzung im Ortskern von Alverskirchen ablöste. Die mittlere Stele zeigt die St.-Agatha-Pfarrkirche. Um sie herumgruppiert sind vier weitere Stelen, die die vier Bauerschaften des Ortsteils Alverskirchen symbolisieren.

 

Everswinkel - der freundliche Winkel im Münsterland

Auf halber Strecke zwischen Münster und Warendorf liegt die Gemeinde Everswinkel mit ihren zwei Ortsteilen Everswinkel und dem drei Kilometer entfernten Alverskirchen. Hier lässt es sich gut leben und Urlaub machen.

Radeln Sie auf dem ausgedehnten Radwegenetz rund um den Ort oder steigen Sie in den Sattel eines lebendigen Vierbeiners. Das Abenteuer-Freizeit-Bad „Vitus-Bad“ bietet jede Menge Spaß, Sport, Spiel und Wellness für Groß und Klein, und im Ortsteil Alverskirchen wartet einer der schönsten und anspruchsvollsten Golfplätze des Münsterlandes auf Sie.

Nicht nur Sportbegeisterte kommen in Everswinkel auf ihre Kosten. Auch kulturell hat Everswinkel mit zahlreichen Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und Kabarettabenden viel zu bieten. Oder Sie besuchen Everswinkels Mitmach Museum „Up’n Hoff“ und erleben dort bäuerliche Geschichte zum Anfassen und Mitmachen.

Quelle: Offizielle Seite der Gemeinde Everswinkel
https://www.everswinkel.de/

Link zu Politischen Parteien, Gemeinderat und Ratsmitgliedern
https://www.everswinkel.de/de/Buerger/Rat-Politik/Ratsmitglieder/ratsmitglieder.php?navanchor=2110041

 

Annette von Droste-Hülshoff – (k)eine Everswinkelerin

Annette von Droste-Hülshoff – den Namen kennen ungezählte Deutsche, kennt vermutlich jeder Münsterländer. Ihre bekanntesten Werke ‚Der Knabe im Moor‘ und  ‚Die Judenbuche‘ haben viele gelesen, großenteils in der Schule. Straßen wurden und werden noch immer nach einer der bedeutendsten deutschen Dichterinnen benannt, so auch in Everswinkel.

Aber die wenigsten dürften wissen, dass die Familie der Droste ursprünglich aus dem Vitusdorf stammt. Auf dem Oberhof in der Bauerschaft Wester lebten die von Deckenbrocks mindestens seit dem frühen 12. Jh. Der erste namentlich genannte Ahnherr ist Ritter Bernhard von Deckenbrock, der Vasall des Bischofs von Münster war und 1240 starb. Daraufhin wurde der Hof in Große Deckenbrock und Lütke Deckenbrock geteilt, Große Deckenbrock fiel später an das Stift Überwasser in Münster, Lütke Deckenbrock blieb im Familienbesitz. Der Enkel des ersten Deckenbrock bekam das erbliche Amt eines ‚Droste‘ (Vorsteher einer Verwaltung) und nannte sich nun ‚von Droste Deckenbrock‘. Anfang des 15. Jh. verlegte er den Familiensitz ins westliche Münsterland. Er hatte den Hülshof westlich von Münster gekauft, weil – so wird vermutet – der Hof Lütke Deckenbrock aufgrund seiner Lage in einem feuchten Gebiet nicht befestigt werden konnte. Um sich von anderen Titelträgern zu unterscheiden, nannte die Familie sich später ‚von Droste zu Hülshoff‘.

So weht die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1417 auf der Burg Hülshoff im heutigen Havixbeck, wo derzeit das ‚Center for Literature‘ aufgebaut wird, und leider nicht in Everswinkel. Demzufolge wurde Annette von Droste-Hülshoff 1797 - statt in einem Adelssitz im Vitusdorf - in dieser Burg geboren. Dennoch ist der Bezug zu Everswinkel noch erkennbar, denn ihr vollständiger Name lautet ‚Anna Elisabeth Franziska Adolphine Wilhelmine Luise Maria von Droste Deckenbrock zu Hülshoff‘.

Der Arbeitskreis Literatur im Kulturkreis Everswinkel hat im Jahre 2017, 600 Jahre nach dem Erwerb des Rittersitzes durch die Familie Große Deckenbrock  und 220 Jahre nach der Geburt der Dichterin dortselbst, dem doppelten Jubiläum mit einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe Rechnung getragen.

Zum Start im April gab es ein echtes Schmankerl: ‚Ein Abend mit Annette‘. In Zusammenarbeit mit dem Gasthof Arning präsentierte der Kulturkreis einen literarisch-kulinarischen Ohren- und Gaumenschmaus: Miriam Brockmeyer, Inga Schwemin und Anna Wichtmann, Studierende der Rhetorik in Münster, trugen ausgewählte Gedichte der Droste vor. Viktoria Bedke spielte auf dem Klavier Kompositionen der Dichterin und präsentierte so eine eher unbekannte Facette ihres schöpferischen Wirkens. Im Wechsel mit der geistigen Kost wurden die Besucher mit einem schmackhaften Menü in vier Gängen verwöhnt.

Für einen Vortrag im Juni konnte mit Prof. Dr. Herbert Kraft ein ausgewiesener Kenner ihrer Literatur gewonnen werden. Der 1938 in Walsum am Niederrhein geborene Professor Dr. Dr. h. c. Herbert Kraft war bereits mit 34 Jahren Ordentlicher Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte in Münster. Er schrieb zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, z.B. über Schiller, Kleist, J.M.R. Lenz, Musil, Kafka – und eben auch eine Monographie über Annette von Droste-Hülshoff. Professor Kraft beleuchtete in seinen Schilderungen wichtige Stationen im Leben und Wirken der Poetin. So widmete er sich der Burg Hülshoff, in der Annette bereits als Siebenjährige erste literarische Versuche unternahm. Wenige Kilometer entfernt liegt das Rüschhaus, der Witwensitz der Mutter. Dorthin mussten sich die Damen der Familie nach dem Tod des Vaters zurückziehen, als der Sohn traditionsgemäß die Burg übernahm. Hier, in ihrem – wie sie es nannte - „Schneckenhäuschen“, verfasste die Droste ihr möglicherweise bekanntestes Werk, „Die Judenbuche“. Jenny, Annettes Schwester, heiratete später den Freiherrn Joseph von Laßberg und zog zu ihm an den Bodensee. Von 1841 an verbrachte die Droste viele schaffensreiche Monate bei Schwester und Schwager im Alten Schloss zu Meersburg. Hier entstanden zum Beispiel die „Haidebilder“, deren berühmtestes zweifellos „Der Knabe im Moor“ ist. 1843 ersteigerte die Dichterin das nahegelegene Fürstenhäusle, wunderschön an einem Hang in einem Weinberg gelegen. Viel Freude hatte sie jedoch nicht an dem ‚Schwalbennest‘. Die Droste, von Geburt an kränkelnd, starb am 24. Mai 1848 nach langer Leidenszeit im Alten Schloss und wurde auf dem Friedhof in Meersburg begraben.

Zum Abschluss der dreiteiligen Würdigung der Dichterin stand eine Halbtagesfahrt mit dem Bus zu zwei Annette-Gedenkstätten auf dem Programm. Zunächst besuchte die Gruppe Haus Rüschhaus, Mitte des 18. Jh. von dem berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun als Sommersitz für sich und seine Familie erbaut. Knapp einhundert Jahre später erwarb der Vater der Dichterin das nahegelegene Anwesen mit dem Gedanken, es als Altersruhesitz zu nutzen. 1826, nur ein Jahr später, starb er überraschend. Der Familientradition entsprechend verließen seine Witwe sowie die beiden Töchter Jenny und Annette die heimatliche Burg und zogen ins Rüschhaus. Während einer Führung lernten die Besucher in den Stallungen und in der Küche allerlei über das Alltagsleben der drei Droste-Damen und ihrer Bediensteten. Sie warfen einen Blick in das sogen. Italienische Zimmer, den Gartensaal mit seinem verborgenen Klappaltar, an dem für die Droste sowie die gesamte Hausgemeinschaft an Sonn- und Feiertagen die Messe gelesen werden konnte, und natürlich auch Annettes ‚Schneckenhäuschen‘. Nach einem Bummel durch den Garten und einem Blick auf Jennys Gewächshaus  verabschiedete sich die Gruppe von dem Ort, an dem Annette etwa zwei Jahrzehnte lang, unterbrochen durch mehrere längere Reisen, gewohnt hatte.

Auf Burg Hülshoff wurden die Besucher während einer Führung  durch die öffentlich zugänglichen Räume mit der durchaus komplexen Familiengeschichte der Droste-Hülshoffs vertraut gemacht. Erläuterungen einiger Teilaspekte der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner wechselten mit Zitaten aus Briefen und Gedichten der Dichterin,  so dass am Ende des Nachmittages und gleichermaßen der kleinen Gedenkreihe ein großer Bogen gespannt worden war von der Umsiedlung eines Zweigs der Deckenbrocks aus Everswinkel Anfang des 15. Jahrhunderts über die Zeit der Droste bis in die Gegenwart.

 

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