Dorfschreiber 2020

Literarischer Tausendsassa wird Everswinkels Dorfschreiber 2020

 Hermann Mensing aus Münster-Roxel

Wer ist der Mann, der im kommenden Jahr für drei Monate in Everswinkel wohnen und das Leben in beiden Ortsteilen literarisch begleiten wird?

Er wurde 1949 in Gronau geboren, nach verschiedenen Schulen, einer kaufmännischen Lehre und dem Zivildienst zog es ihn in die weite Welt hinaus. So reiste er Anfang der siebziger Jahre u.a. in die USA, nach Japan, Südamerika, Nordafrika und Spanien. Später wollte er nach bestandenem Zweiten Staatsexamen (Englisch, Deutsch, Geschichte) nicht Lehrer, sondern doch lieber Autor werden. Weitere Reisen führten ihn nach Indien, Sri Lanka und Nepal sowie erneut in die USA. In seiner Vita findet sich auch ein kurzes Intermezzo als Schauspieler am Deutschen Theater Göttingen.

Seit 1984 lebt er seinen Traum als freier Schriftsteller. Zunächst veröffentlichte er viele Romane für Kinder, überwiegend bei Ueberreuter, einem renommierten Verlag für Kinderbücher, Jugendliteratur und Fantastische Welten. Auch für den Hörfunk und das Theater verfasste er zahlreiche Arbeiten. Zudem liest er schon lange landesweit sowohl für Grundschüler als auch für Schüler der Klassen 5 aufwärts, das Kultursekretariat NRW förderte ihn in der Vergangenheit bei diesem Vorhaben. Kurzgeschichten und Romane für Erwachsene schreibt er seit 2005, zum Beispiel für den Rowohlt-Verlag.

Ein Werk Mensings ist für das Vitusdorf besonders interessant, wurde der Bezug der Droste zu Hülshoffs zu Everswinkel doch erst kürzlich durch den Besuch eines Ur-Ur-Großneffen der Dichterin erneut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht.

In dem Buch „Mein Prinz“, 2005 im Münsteraner Verlag Aschendorff erschienen, wird die Geschichte eines westafrikanischen Sklaven am Hofe der adligen Familie erzählt. Heinrich Johann von Droste zu Hülshoff hatte ihn während einer Kavaliersreise gekauft. Nach der Rückkehr in die heimatliche Burg ließ der Freiherr ihn taufen, er hieß nun Johann Junkerdinck. Es erwies sich, dass Johann sehr musikalisch war, und so wurde er 1711 Organist in St. Pantaleon im heutigen Münster-Roxel. Wenig später heiratete er die Tochter des Küsters, die beiden bekamen fünf Kinder. Die Geschichte handelt von den Gräueln der Sklaverei, vom Fremdsein und von Freundschaft - und vom Segen der Liebe, die in der Lage ist, jede Grenze zu überwinden. Hermann Mensing zeichnet hier, basierend auf historischen Tatsachen, einfühlsam das Leben des Johann Junkerdinck nach. Everswinkel darf sich also freuen auf die drei Monate (15. April bis 15. Juli) mit dem vielseitigen Münsteraner Autor als „Dorfschreiber 2020“.

Dass auch er seinem Aufenthalt auf der anderen, ihm noch relativ unbekannten Seite Münsters mit freudiger Spannung entgegensieht, geht aus seiner ersten Stellungnahme hervor: „4. Juli 2019. Kurz nach halb zwölf schellte mein Telefon. Die Juryvorsitzende des Kulturkreises Everswinkel war dran, ihr Telefon war laut gestellt, die Jury hörte mit, jetzt hatte ich den Salat, zwar war es nicht der Nobelpreis, aber man teilte mir mit, ich sei ab April 2020 bis Juli 2020 Poeta Laureatus in Everswinkel und Alverskirchen. Dorfschreiber also, das freute mich, denn ich wette, dass es dort jede Menge interessanter Geschichten gibt, und ich liebe nichts mehr als Geschichten. Nach all den Jahren ereilt mich also doch noch ein Ruf, der außer ein wenig lokaler Ehre für drei Monate ein regelmäßiges Einkommen verspricht. So etwas haben Schriftsteller selten bis nie, ich werde es genießen. Wie ich mein Leben dort gestalte, weiß ich noch nicht, aber kommt Zeit, kommt Rat.“

Erste Stellungnahmen der beiden hochrangigen Literaturfachleute in der Jury zum Ausgang des Bewerbungsverfahrens:

Das Jurymitglied Walter Gödden, Literaturwissenschaftler, Honorarprofessor der Universität Paderborn, Geschäftsführer der Literaturkommission für Westfalen und wissenschaftlicher Leiter des ‚Museums für Westfälische Literatur Haus Nottbeck‘, beschreibt den künftigen Dorfschreiber so: „Hermann Mensing ist ein Autor, der sich nicht verbiegt und nicht verbiegen lässt. Er ist in vielen Genres zuhause und hat dabei stets Originalität, literarische Qualität und ‚aufrechtes Bewusstsein‘ bewiesen. Jemand, der immer ganz nah dran ist an den Menschen, ein genauer Beobachter und auch Schalk, mit Blick für die wesentlichen Momente des Lebens.“

Hermann Wallmann, seit 1986 freier Literaturkritiker, bis vor kurzem künstlerischer Leiter des Lyrikertreffens Münster, Vorsitzender des Literaturvereins Münster, seit 1998 Mitglied im P.E.N. Zentrum Deutschland, Publizist und selbst ausgezeichneter Lyriker, meint: „Die Arbeitsproben, die Hermann Mensing vorgelegt hat, belegen, dass er ein Auge hat für die Region, in der er lebt, und ein Ohr für die Klänge, die er in ihr wahrnimmt oder mit ihr assoziiert, wenn er „unterwegs“ oder „vor Ort“ ist. Seine Texte kommen nicht einfach plan daher, vielmehr verbinden sich in ihnen Beschreibung und Assoziation, Erinnerung und Gedankenspiel. Er ist bewandert in allen literarischen Gattungen, und so ist zu erwarten, dass sich auch in seinem neuen Betätigungsfeld Recherche und Phantasie, Präsentation und „Unterweisung“ beweglich miteinander verbinden werden. Um es vielleicht etwas überspitzt auszudrücken: Nicht der Schriftsteller Hermann Mensing wird etwas aus Everswinkel machen, sondern Everswinkel wird etwas aus Hermann Mensing machen. Hervorzuheben ist auch Mensings langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern.“ 

Sponsor:

Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf

Ansprechpartnerin:

Susanne Müller (Sprecherin AK Literatur)

Kontakt: dorfschreiber[dot]2020[at]kulturkreis-everswinkel[dot]de
Facebook: https://www.facebook.com/kulturkreis.everswinkel/

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